Gemeinschaftsschule – Zukunft oder zukunftslos?

Ich bin Oberstudienrat an einer Gemeinschaftsschule. Einen ersten Eindruck meiner Arbeit schildere ich in einem anderen Artikel. Jetzt, nach gut eineinhalb Jahren, bewege ich mich schon sehr sicher in dem neuen System und sehe auch dementsprechend klarer was gut ist, was schlecht ist und was besser sein muss.

Eine neue Schulart, die die Schule derart radikal neu denkt wie die Gemeinschaftsschule, hat selbstverständlich Befürworter und Gegner.

Die Befürworter sind oft so vehement pro-GMS, dass es ihnen schwerfällt, Kritik, auch wenn sie noch so sinnvoll und konstruktiv erscheint, anzunehmen und zu reflektieren. Teilweise ist das schon arg ideologisch und wenig rational. Vermutlich werden sie so vielen Anfeindungen ausgesetzt, dass sie hier und da etwas dünnhäutig reagieren und in eine unnötige Abwehrhaltung á la fight-or-flight geraten, selbst dann, wenn es nicht um einen Frontalangriff geht, sondern lediglich um konstruktiv-kritische Fragen oder Verbesserungsvorschläge.

Die Gegner sind ähnlich ideologisch und in ihrer Argumentation eher rückwärtsgewandt und bildungskonservativ. Einige sind auch einfach nur die Ewig-Gestrigen. Diese Gruppe lohnt es nicht weiter zu beachten, wenn es darum geht, die GMS-Idee weiterzuentwickeln, da sie von sich aus keinerlei Interesse an Veränderungen jeglicher Art hat, egal in welchem Bereich, und den Status Quo, möge er noch so gut oder schlecht sein, unreflektiert beibehalten möchten, denn schließlich haben wir es ja immer so gemacht. Die andere Gruppe der Gegner handelt aus verschiedensten Motiven. Die Realschule fürchtet um ihre Existenz, denn die Gemeinschaftsschule unterrichtet großteils die heterogenen Lerngruppen auf Realschulniveau, was den sogenannten Input (den vom Lehrer geleiteten Unterricht, im Gegensatz zum selbstständigen Arbeiten der Schüler in den dafür vorgesehenen Zeiten) betrifft. Zusätzlich bieten sie aber noch das Hauptschul- und Gymnasiumniveau an. Das Gymnasium kritisiert, wie es möglich sein könne, ein (annähernd) gymnasiales Niveau zu erreichen, wenn der Unterricht (überwiegend) von Hauptschullehrern gestaltet werde. Das sei die Kernkompetenz einer wissenschaftlichen Ausbildung eines Gymnasiallehrers. Die CDU ist in erster Linie gegen die Gemeinschaftsschule, weil sie ein Konzept der grün-roten Regierung unter Kretschmann ist, das natürlich, in bester Parteimanier, bekämpft werden muss. Die Christdemokraten sehen die Gemeinschaftsschule als gescheitert an und meinten zunächst, sie gehöre abgeschafft. Inzwischen ist Guido Wolf wieder etwas zurückgerudert und beschränkt sich auf notwendige „Anpassungen“ und „Weiterentwicklungen“ der GMS, was ja im Ansatz nicht ganz falsch ist. Was genau die Anpassungen sein sollen, darum wird heftig gestritten: Ziffernnoten, Sitzenbleiben, homogenere Lerngruppen, Entziehung des gymnasialen Niveaus etc. Viele dieser Überlegungen würden die Gemeinschaftsschule freilich ihres Fundaments berauben und den bisher investierten Zeitaufwand und investierte Kraft ad absurdum führen. Sicher, die Gemeinschaftsschule muss noch weitergedacht und -entwickelt werden, doch die von der CDU vorgeschlagenen Anpassungen gehen hier und da am Kern der Sache vorbei. Zumal sie ihre Kritik sehr lautstark fordern. Milde ausgedrückt.

(Einen Artikel, der sich näher mit dem Thema Gemeinschaftsschule im Wahlkampf befasst, gibt es hier.)

Es ist quasi unmöglich diese beiden Parteien, also Befürworter und Gegner, zu einem ernsthaften und konstruktiven Austausch zu bewegen, der auf einer angemessenen, argumentativen Sachebene stattfindet, da, wie oben erwähnt, auch sehr viel Ideologie, Emotion und Wahlkampf mitschwingt. Unterschwellig oder plakativ. Auf beiden Seiten.

Meine Meinung zur Gemeinschaftsschule ist sehr zwiegespalten. Das liegt an mehreren Gründen. Zunächst muss man sagen, dass das System Gemeinschaftsschule klar politisch motiviert und gesteuert einen überhasteten Einstieg in die Bildungswelt genommen hat. Als die sogenannten Starter-Schulen ihre Arbeit aufnahmen, gab es keinen Bildungsplan, keine klaren Richtlinien, kein durchdachtes und zu Ende gedachtes Konzept, keine dafür ausgebildeten Lehrer, keine passenden Softwarelösungen, keine Kompetenzraster, keine Curricula, keine Lehrwerke, kein Unterrichtsmaterial. Nichts davon. Das hatte logischerweise zur Folge, dass jede dieser Starter-Schulen einen anderen Ansatz verfolgt, auf andere Kompetenzen ihre Schwerpunkte setzt, unterschiedliche Bewertungssysteme verwendet, verschiedenartige Taktungen und Rhythmisierungen hat usw. Und diese unterschiedlichen Ansätze kommen nun, nachdem die Starter-Schulen in ihr viertes Jahr gehen, immer deutlicher zum Vorschein.

Gemeinschaftsschule ist nicht gleich Gemeinschaftsschule. Ausrufezeichen.

Seit Beginn dieses Schuljahres entstehen im ganzen Bundesland Gemeinschaftsschulen. Die Starter-Schulen wurden (von der grün-roten Regierung) als gut befunden und bekommen nun ihre Chance in unserem Bildungssystem (noch immer ohne endgültigen Bildungsplan). So weit, so gut. Problematisch erscheint es mir aber doch, dass einige Schulen, besonders im ländlichen Raum, quasi „gezwungen“ werden GMS zu werden, um so nicht ihren Schulstandort zu gefährden. Dies als Motivation zu sehen, eine Gemeinschaftsschule zu gründen, scheint mir sehr gewagt. Denn der Schritt hin zu einer GMS ist ein großes und langfristiges Projekt, das vor allem von den Lehrern sehr viel abverlangt. Wenn ein Kollegium nicht geschlossen hinter der Philosophie, den Veränderungen und der deutlichen Mehrarbeit steht, sehe ich große Risiken für die mittelfristige Entwicklung dieser, aber auch aller anderen Gemeinschaftsschulen, da jede Schule für sich steht, aber in der öffentlichen Wahrnehmung auch auf alle anderen Gemeinschaftsschulen bezogen werden wird. Wenn einige dieser Schulen scheitern sollten, sehe ich auch daraus resultierende Angriffe auf die Gemeinschaftsschule per se. Was, wie ich oben erläutert habe, falsch wäre, weil ja jede GMS (noch) so unterschiedlich arbeitet, was aber selbstverständlich in der Öffentlichkeit nicht in der Form differenziert kommuniziert werden wird.

Gemeinschaftsschule ist gleich Gemeinschaftsschule. Ausrufezeichen.

Auf der anderen Seite arbeiten die Gemeinschaftsschulen schon nach nur vier Jahren auf Augenhöhe mit den alteingesessenen Schularten, was diverse Vergleichsarbeiten gezeigt haben. Im Durchschnitt ist die Gemeinschaftsschule also gleichwertig mit anderen Schulen, was die messbaren Faktoren und Ergebnisse in Deutsch, Mathe und Englisch angeht. Allerdings muss das Ergebnis eingeschränkt werden, denn die Streuung der Ergebnisse der Gemeinschaftsschule ist bei all den Auswertungen enorm. Die hohe Standardabweichung zeigt nämlich genau das: Einige Gemeinschaftsschulen arbeiten sehr gut und erzielen Ergebnisse weit über dem Durchschnitt, andere hingegen schneiden deutlich unterdurchschnittlich ab, was eine logische Folge aus der oben genannten Heterogenität der Gemeinschaftsschulen resultiert. Im Durchschnitt, das weiß jeder Statistiker, ergibt sich aber im Gesamten eine Leistung, die im akzeptablen und im Vergleich mit anderen Schularten ordentlichen Bereich liegt und sich nicht zu verstecken braucht. Diese unglaublich hohe Standardabweichung gibt es andererseits weder im Gymnasium, noch in der Realschule. (Als Quelle dient der Zwischenbericht des Forschungsprojektes der Universität Tübingen „Wissenschaftliche Begleitforschung Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg (WissGem)“, den man hier online einsehen und herunterladen kann.)

Die Gemeinschaftsschule hat es also geschafft, nach nur vier Jahren an den Starter-Schulen-Standorten, ein recht gutes Ergebnis zu erzielen und im Durchschnitt dementsprechend gute Arbeit abzuliefern. Diese gute Arbeit wird meiner Meinung nach in der öffentlichen Meinung nicht ausreichend honoriert. Die Lehrer an der Gemeinschaftsschule arbeiten mehr als die Kollegen an den anderen Schulen. Das ist nicht zu diskutieren und jeder, der etwas anderes behauptet, hat schlicht und ergreifend keine Ahnung, was dort geleistet und wie viel dort gearbeitet wird. Viel Arbeit heißt noch lange nicht, dass diese auch gut – geschweige denn besser – sein muss, aber viel bedeutet trotzdem viel.

Ich habe in meinen über zehn Jahren Schulerfahrung niemals so viel gearbeitet wie in diesem Schuljahr, seit ich Klassenlehrer an einer Gemeinschaftsschule bin. Und so geht es allen anderen Kollegen ebenfalls. Diese Mehrarbeit mache ich gerne und ohne zu murren, allerdings wenn schon Mehrarbeit, dann bitte auch mit Mehrwert. Und das ist leider nicht immer gegeben. Denn das von der Politik übereilt etablierte System bedarf noch viel Nachjustierung, und diese wird von den Lehrern geleistet. Tagtäglich. Woche für Woche. Und leider ist das auch mit einem nicht zu verachtenden Anteil Bürokratie und Verwaltung verbunden. Ich habe noch nie in meinem Lehrerleben dermaßen viele Listen geführt. Wahnsinn. Da sollte und muss sich dringend etwas ändern.

Die oben zitierte Studie zeigt auch ein weiteres Problem, das die Gemeinschaftsschule noch nicht in den Griff bekommen hat, nämlich die Förderung der sehr schwachen Schüler. Die Gemeinschaftsschule, mit ihrem Fokus auf das selbstständige Arbeiten, kommt bei diesen Schülern an ihre Grenzen. Die eingeforderte und viel trainierte Selbstständigkeit kann nämlich in vielen Fällen genau diese Schüler überfordern und das sehr freie Arbeiten bietet ihnen zu viele Freiheiten, die sie eher hemmen als beflügeln.Gepaart mit dem Abschaffen des „Sitzenbleibens“ fehlt da dem ein oder anderen Schüler der Druck, um sich zu zwingen, sein bestes Potenzial durchgehend abzurufen. (Eine Diskussion, ob Sitzenbleiben sinnvoll ist oder nicht, möchte ich an dieser Stelle nicht führen.) Die Gemeinschaftsschule ist für dieses Schülerklientel schlicht und einfach die falsche Schule. Ist das ein Problem der Gemeinschaftsschule? Nein. Es gibt genauso viele Schüler, für die das Gymnasium nicht passend ist oder für andere die Realschule. Ein Vorteil unseres Bildungssystems ist ja unter anderem, dass es so viele unterschiedliche Arten von Schulen gibt. Denn selbst wenn die Gemeinschaftsschule ein Bildungszuhause für eine vielfältige und große Schülerschaft ist, ist sie doch auch nicht eine Schule für Alle. Definitiv nicht. Sie sollte aber sehr wohl als Chance verstanden werden, einer ohnehin schon breit gefächerten Schullandschaft eine weitere neue Nuance hinzuzufügen.

Man muss zu bedenken geben, dass ein solches Schulkonzept nicht in den Köpfen von Bildungspolitikern und -experten am Reißbrett entworfen und dann in der Praxis reibungslos umsetzbar ist. Solche Reformen und Ideen benötigen Zeit und Anpassungen an die Wirklichkeit durch praxisnahe Erfahrungen.Und trotz all der genannten Kritik an der Anfangsphase der Starter-Schulen (ab nächstem Jahr kommt ja endlich der verbindliche Bildungsplan), macht „die“ Gemeinschaftsschule (im Folgenden gehe ich vorrangig auf die Gemeinschaftsschule ein, an der ich arbeite) auch vieles richtig.

Was mir an der Gemeinschaftsschule gut gefällt, ist die Idee, einen jungen Menschen nicht in eine Ziffernnote von 1 bis 6 zu pressen, sondern der Versuch, ein differenziertes und transparentes Feedback zum Lernstand und zu Leistungen zu geben. Diese Rückmeldung wird unter anderem im zweiwöchigen „Bilanzgespräch“ mündlich und persönlich vom Lehrer an den Schüler gerichtet. Des Weiteren werden die sogenannten „Lernnachweise“, welche Klassenarbeiten oder ähnlichen Abfragungen/Präsentationen und Leistungsnachweisen entsprechen, nicht mit einer einzigen Note bewertet, sondern es gibt spezifische Rückmeldungen zu den einzelnen, abgefragten Kompetenzen. Außerdem gibt es dreimal im Jahr die sogenannten „Standortgespräche“ zwischen Schüler, Eltern und Lehrer. In diesem Gespräch wird, im Gegensatz zum Elternsprechtag, nicht über sondern mit dem Schüler gesprochen. Für mich waren diese Art von Gesprächen neu und ich muss sagen, dass der Erfolg spürbar ist. Durch gut gestaltete Gesprächsführung und konstruktives, differenziertes und ehrliches Feedback, erkenne ich mir bisher unbekannte Motivationsschübe und Verbesserungen im sozialen Bereich wie auch des Arbeitsverhaltens der Schüler, die auch größtenteils ein durchaus nachhaltiges, verbessertes Lernverhalten und intrinsische Motivation in einem Maße freisetzen, die eine Ziffernnote oder ein Elterngespräch niemals in der Lage wären zu erreichen. Auch von Schüler- und Elternseite werden diese Gespräche durchweg positiv aufgenommen und sehr geschätzt.

Auch das gemeinsame Lernen von heterogenen Gruppen junger Menschen ist ein spannendes und interessantes Unterfangen und häufig auch sehr viel fruchtbarer und zielführender als man denkt. Der Traum jeden Lehrers, zumindest wenn man die Bildungspolitiker sprechen hört, soll anscheinend eine möglichst homogene Klasse sein. Das ist auf vielfältige Weise ein Trugschluss. Weder ist eine Gruppe am Gymnasium homogen, noch in der Realschule, geschweige denn in der Arbeitswelt. Wenn man also einen Jugendlichen auf die „echte“ Welt vorbereiten möchte, ist eine möglich homogene Klasse weit an jener Realität vorbei, die in der Arbeitswelt herrscht. Schön dagegen ist, wenn ein starker Schüler einem schwächeren helfen kann und dadurch selbst ebenso davon profitiert. Als Lehrer ist das Unterrichten in stark heterogenen Gruppen schwieriger, ganz klar. Aber es ergeben sich dadurch auch Chancen und Möglichkeiten den Unterricht flexibler zu gestalten. Gerade in Fremdsprachen sind die Unterschiede in der Leistungsfähigkeit sehr groß, sodass es wichtig ist, gerade in diesen Fächern die Starken zu fordern und die Schwachen zu fördern.

Ein weiterer Vorteil der Gemeinschaftsschule ist, dass nicht in der vierten Klasse die weitere Schullaufbahn vorherbestimmt wird. In meiner Klasse gibt es einige Schüler, die sich innerhalb der ersten drei Jahre in der Sekundarstufe I, vom Hauptschul- auf das Realschulniveau oder vom Realschul- auf das Gymnasiumniveau entwickelt haben. Ihnen wäre ohne die Gemeinschaftsschule nicht die Möglichkeit geboten worden, ihre Zukunft derart selbst gestalten zu können. Es ist nicht selten, dass Kinder sich gerade in den ersten Jahren an den weiterführenden Schulen weiter- oder spätentwickeln und dann nur selten den Weg an die nächsthöhere Bildungseinrichtung  finden. Das wird an einer Gemeinschaftsschule so nicht passieren. Die Schüler können von Fach zu Fach und Lernnachweis zu Lernnachweis (gemeinsam mit dem Lehrer) entscheiden, auf welchem Niveau sie ihre Kompetenzen nachweisen möchten.

Auch aus Lehrersicht ist die Gemeinschaftsschule sehr interessant, denn die Facette des echten Teamworks ist Lehrern an den meisten „normalen“ Schulen nicht besonders geläufig. Der Lehrer als Einzelkämpfer. Tür zu und nun bestimme ich. Diese Art des Arbeitens gibt es an der Gemeinschaftsschule nicht. Unterricht wird zusammen geplant, Lernnachweise und Arbeitsmaterialien gemeinsam erstellt, Präsentationen der Schüler im Team bewertet und ein hoher Austausch über die Schülerschaft und den Unterricht häufig gesucht. Das Kollegium als Team. Eine für mich völlig neue Erfahrung. Auch am Gymnasium hatte ich super Kollegen, mit denen ich mich ausgetauscht habe und hier und da auch gemeinsame Aktionen geplant habe. Aber die intensive gemeinsame Arbeit hat doch eine andere Qualität, als ein kurzer Austausch im Lehrerzimmer in einer großen Pause. Auch die regelmäßigen Kooperationstreffen sorgen für eine gewisse Qualitätskontrolle des Unterrichts, eine intensivere Zusammenarbeit innerhalb der Fachschaften und Diskussionen über die weiteren Entwicklungen der Schule. Der Beruf des Lehrers umfasst damit deutlich mehr als „nur“ das Unterrichten. Wobei das selbstverständlich immer das Kerngeschäft sein muss.

Ist die Gemeinschaftsschule die Zukunft oder ist sie zukunftslos?

Meiner Meinung nach, bereichert die Gemeinschaftsschule unsere Bildungslandschaft und man sollte ihr dringend die Zeit geben, sich weiterzuentwickeln, sich zu etablieren und die Möglichkeit zugestehen, ihr System detailliert und praxisnaher auszugestalten. Ein gutes Bildungskonzept benötigt Zeit. Es ist jetzt nicht zielführend, einen Wahlkampf auf dem Rücken der Schulen, Lehrer, Schüler und Eltern auszufechten, der mehr von Ideologie als von Rationalität und sauber geführter Argumentation geprägt ist. Ich sehe es nicht wie die CDU, dass die Gemeinschaftsschule gescheitert ist. Ich denke aber auch nicht, dass die Gemeinschaftsschule, eine Schule für Alle ist. So eine Schule wird es niemals geben, dafür sind die Kinder und Jugendlichen viel zu unterschiedlich, was auch gut so ist. Unsere Bildungspolitik braucht neue Ideen und Visionen und die Gemeinschaftsschule kann da sicherlich einen Beitrag leisten. Wie groß dieser Beitrag sein wird, wird die Zeit zeigen, vorausgesetzt, die Politik lässt die Schulen weiterarbeiten und gibt ihnen die Zeit, die sie brauchen. Man muss die Gemeinschaftsschule weiterentwickeln. Ja. Sie ist noch nicht „fertig“. Aber man muss es weise tun. Man muss aus den Fehlern ihrer chaotischen Etablierung lernen und nicht wieder aktionistische Ansätze verfolgen, triefend von Ideologie und plakativen Wahlkampfansagen. Darunter leiden nämlich die Schüler. Und Lehrer.

Was ist deine Meinung zum Thema Gemeinschaftsschule? Zukunft oder zukunftslos? Diskutiere mit mir in den Kommentaren.

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3 Gedanken zu “Gemeinschaftsschule – Zukunft oder zukunftslos?

  1. Im Großen und Ganzen teile ich Ihre Bewertungen! Nur 2 Dinge sehe ich anders:
    1. Die „chaotische Etablierung“ war notwendig! Leider – man wollte unbedingt die Chance nutzen, Nägel mit Köpfen zu machen – nicht lange drumrumreden. Wir hätten noch kein Schüler auf einer Gemeinschaftsschule (geschweige denn bereits 300 GMS), wenn zuerst ein Bildungsplan, dann Fortbildung der Lehrer und dann Bildung GMS erfolgt wäre. Kinder haben nicht so viel Zeit. Schade um jedes Kind, das diese Möglichkeit nicht bekommt!

    2. „Keine Schule für alle“ – sehe ich nicht so. Im Moment vielleicht. Aber „Schule für Alle“ muss ja vom Anfang her gedacht werden. Kinder bekommen schon zu Hause, gesagt: „Lass das, zu gefährlich, das kannst du nicht, macht zu viel Dreck o. Unordnung, keine Zeit . . . „.
    Kinder gehen in den Kindergarten, bekommen es schon da „abtrainiert“, von sich aus zu „lernen“. In der Grundschule geht es dann weiter damit. Wenn solche Kinder (und manche können sich ganz schnell anpassen!) dann in die GMS kommen und plötzlich nichts mehr „vorgesetzt“ bekommen, tun sie sich natürlich schwer! Aber man kann das ja auch wieder antrainieren. Setzt man sich mit den Aussagen der Hirnforscher o. Kinderärtzte auseinander, dann weisen diese darauf hin, dass alle Menschen gleich „gestrickt“ sind. Alle Kinder wollen lernen, alle Kinder können lernen, alle sind begeisterungsfähig, alle haben Talente. Das ist meine Motivation, für die GMS zu sprechen. Denn nur dort sind die Rahmenbedingungen so, dass sich Potientiale entfalten können.

    Ein ganz dicker Pluspunkt der GMS: Beziehungsarbeit! Zw. Lehrer u. Schüler, aber auch zw. Lehrer und Eltern. Da gibt es zur Zeit kein besseres Angebot – von keiner Schule! Ich hoffe, dass sich ihre Beziehungsarbeit in 1, zwei Jahren auch bei ihren „Problemfällen“ auswirken wird.

    Sie haben vollkommen Recht! Die Lehrer sind Einzelkämpfer! Das ist das Problem! Ich hoffe und vertraue darauf, dass sich durch die notwendige Teamarbeit in den GMS, die Qualität verbessert – zu beiderseitigem Nutzen! Jeder Lehrer lernt auch hier vom anderen. Das ist toll und an allen Schulen wünschenswert. Dass die GMS unterschiedlich arbeiten, finde ich nicht schlimm – jede Schule soll die für sie passenden Methoden wählen können. Wichtig ist nur, dass fortwährend evaluiert, weiter- u. fortgebildet wird. Dann werden auch die noch nicht so gut abschneidenden GMS ihre Erfolge haben. Ein überdurchschnittliches Engagement und Offenheit wurde ja auch den Lehrkräften der GMS durch die WissGem-Studie bescheinigt!

    Wenn ich wieder einmal gefrustet bin, wg. der vielen Attacken, schaue ich mir die Beschreibung des Hauptpreisträgers des Dt. Schulpreises 2015 an und die Homepage der Schule: es geht!! 🙂
    Frdl. Grüße und alles Gute!

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    1. Danke für deinen Kommentar Susanne!

      Deine Argumentation zu Punkt 1 ist klar und nachvollziehbar. Aber ein wenig mehr Rahmenbedingungen und klarere Vorgaben hätten die Lehrer in dieser schwierigen Anfangszeit sicher unterstützt. Ich ziehe meinen Hut vor allen Kollegen, die diese ersten Jahre gemeistert haben!

      Bei Punkt 2 gehen unsere Meinung weit auseinander. Ich finde ein mehrgliedriges Schulsystem viel besser, als eine Schule für alle. Wenn ich sehe, wie unterschiedlich unsere Kinder und Jugendlichen sind, finde ich es als unbedingt wichtig, eine breite Auswahl für Schüler und Eltern bereitzustellen, sodass jeder nach seinen Möglichkeiten bestmöglichen Erfolg hat. Diese Schüler, die du beschreibst, gibt es. Und es ist toll zu sehen, wie sie sich weiterentwickeln und verbessern. Aber es gibt nun mal auch diejenigen, die eine andere Art von Führung und Grenzen brauchen und geradezu danach lechzen. Meiner Meinung nach, wie die Studie ja auch klar formuliert, kann die GMS diesen Anforderungen nicht in gleichem Maße gerecht werden, wie dafür speziell ausgerichtete Bildungseinrichtungen und geschultes, kompetentes Lehrpersonal.

      Was die Beziehungen zwischen Lehrern-Schülern und Lehrern-Eltern angeht, hast du vollkommen Recht. Dieser enge Austausch und der hohe kommunikative Anteil erleichtern die Beziehungsarbeit erheblich. Obwohl ich ehrlich sagen muss, dass ich auch an meinen anderen Schulen immer einen ähnlich guten Kontakt und vergleichbar gute Beziehungen zu meinen Schülern hatte. Das liegt in erster Linie daran, dass die Beziehung, in vielerlei Hinsicht, den Eckstein meines Berufes darstellt und es deshalb schon immer einen guten Vibe zwischen mir und meinen Schülern gab. 🙂

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