Meeting-Madness

Konferenzenwahn, Meetingmarathons, Besprechungsirrsinn – hallo GLK!

Lehrer lieben es, zu sprechen. Sie lieben es auch, sich selbst beim Sprechen zuzuhören. Lehrer sind redselig. Sie können nicht überleben ohne. Eine besondere Spezies Mensch. Naja, sollen sie halt sprechen. Nur nicht in meiner GLK!

Eine GLK ist ein wichtiges Instrument zur Schulentwicklung und -organisation und überaus sinnvoll in so vielen unterschiedlichen Bereichen. GLKs können informierend, entscheidend oder unterstützend sein. Sie können aber auch nervtötend, schier endlos und unproduktiv sein. Und das sind sie leider meistens. Oder nicht?

In einer GLK sollten im besten Fall wichtige Entscheidungen lösungsorientiert disktutiert, entschieden und abgestimmt werden. Die Schulleitung informiert das Kollegium über wichtige Termine und Veranstaltungen. Bauvorhaben, wie im Moment an unserer Schule stattfinden, müssen auch Teil der GLKs sein. Es gibt noch eine handvoll weitere, rechtlich verpflichtende, Inhalte einer GLK, nachzulesen hier.

Aber müssen sich GLKs stundenlang um individuelle Fragestellungen drehen? Müssen alle Lehrer den Ist-Zustand noch 100 Mal erläutern? Müssen Themen diskutiert werden, die weniger als 10% der Anwesenden interessiert und tangiert? Müssen immer und immer wieder dieselben Kollegen ihre, mit Verlaub, uninteressanten und ertraglosen Kommentare zu egal welchem Thema abgeben?

Verpflichtend, zumindest in der Sekundarstufe I in Baden-Württemberg, sind 2 GLKs pro Halbjahr. Wir haben mindestens 4. Pro Halbjahr! Wie viel 1000 sinnvollere Dinge könnte ich mit der Zeit anfangen, anstatt mir anzuhören, warum der Schüler in der Klasse bei dem Lehrer einfach nicht zuhören will. „Es interessiert mich nicht!“, möchte ich dem Kollegen zurufen. „Such dir eine Selbsthilfegruppe!“

Lehrer halten Schüler ständig dazu an, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Keine unnötigen Wortmeldungen. Nur sinnvolle. Beispielsweise bei einem Klassenrat. Oder auch im Unterricht. Derselbe Lehrer hält sich selbst allerdings kein bisschen an dieses Credo. Wasser predigen, Wein saufen. Das macht mich verrückt! Pro GLK habe ich das Gefühl, sind 10-15 Minuten wirklich interessant und sinnvoll. Die restlichen 2 bis 3 Stunden könnte man sich eigentlich komplett sparen. Meeting-Madness!

Wie kann es besser laufen?

Der Schulleiter muss eine klare und geradlinige Gesprächsführung beherrschen: Beiträge abkürzen, Redezeit begrenzen, (endlose) Diskussionen beenden, Prioritäten setzen, die richtigen Fragen stellen. Auch sollten ausschließlich Punkte auf die Tagesordnung gesetzt werden, die nicht auf anderem Wege (E-Mail-Info, persönliches Gespräch, Steuerungsgruppe, Arbeitsgruppen, Fachschaften) kommunizierbar sind. Diskussionen sollten ausschließlich dann geführt werden, wenn sie lösungs- und zielorientiert sind. Am besten sogar nur dann, wenn eine anschließende Abstimmung stattfinden soll. Austausch ist wichtig! Keine Frage. Auch eine konstruktive Diskussionskultur ist wichtig. Aber nicht jede Diskussion ist gleich wichtig. Und einige kann man sich komplett sparen.

Es liegt allerdings nicht nur am Schulleiter, sondern auch am Kollegium. Jeder Kollege beschwert sich über die vielen Diskussionen und Gespräche, die zu keinem Ziel führen. Warum sind es dann oft diejenigen Kollegen, die diese Diskussionen ins Endlose führen? Vor jeder Wortmeldung sollte sich jeder genau überlegen: Bringt dieser Kommentar die Diskussion weiter? Interessiert ein Großteil des Kollegiums meine Aussage? Führt meine Aussage die Diskussion Richtung Ziel und Lösung? Ist es sinnvoll diese Aussage an dieser Stelle zu treffen? Würde sich jeder Lehrer diese Fragen vor seiner Meldung stellen, würden wahrscheinlich 2/3 der Aussagen nicht ausgesprochen werden, was ja außerordentlich zu befürworten wäre.

Die GLK ist wichtig und sinnvoll, wenn sie denn ordentlich organisiert und in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Austausch ist wichtig und sinnvoll, wenn er sich zwischen denjenigen abspielt, die das Thema interessiert. Meinungen und Diskussionen sind wichtig und sinnvoll zur Entscheidungsfindung, wenn sie lösungsorientiert geäußert bzw. geführt werden. Allerdings scheint es dem Lehrer als solchen schwer zu fallen, diese Ansätze miteinander zu verbinden und zu erahnen, wann was angemessen wäre. Methodenkompetenz. 😉

 

 

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