Die Gemeinschaftsschule im Wahlkampf

Am 13. März finden in Baden-Württemberg die Landtagswahlen statt. CDU gegen Grün. Wolf gegen Kretschmann. Dreigliedriges Schulsystem gegen Gemeinschaftsschule.

Es scheint, als ob die Bildungspolitik eines der zentralen Streitpunkte im Wahlkampf darstellt, vielleicht sogar den größten, neben dem Umgang mit der Flüchtlings“krise“.

Die Positionen sind ziemlich klar verteilt:

Die CDU hält nicht besonders viel von der Gemeinschaftsschule und würde sie am liebsten sofort wieder einstampfen, was in der Realität so natürlich nicht möglich ist. Aber es gibt sicherlich Wege, dies in einem sukzessiven und subtileren Prozess über einen längeren Zeitraum umzusetzen. Offiziell heißt es da nur, man wolle die Realschule wieder stärken und die Bevorzugung der Gemeinschaftsschule (die anscheinend durch Rot-Grün übermäßig unterstützt werde) abschaffen und die Gemeinschaftsschule „weiterentwickeln“.

Die Grünen und die SPD sind dafür, der Gemeinschaftsschule mehr Zeit zu geben und sie weiter auszubauen, da sie ja in gewisser Weise als Ziehkind einer rot-grünen Bildungspolitik gilt.

Die Fronten sind klar. Und sie sind verhärtet.

Die CDU veröffentlichte ein Schreiben zur Bildungspolitik, darin erklärt sie ihre Vorstellung von guter Bildung. Im Punkt zur Gemeinschaftsschule steht Folgendes:

CDU zur GMS

Der Verein für Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg e.V. antwortete darauf in Person des Vorsitzenden Matthias Wagner-Uhl:

Sehr geehrte Damen und Herren der Landespresse,

das hier zugängliche Papier der Landes-CDU wird im Wahlkampf unserer Kenntnis nach verwendet, um längst überfällig gewesene und während der zurückliegenden fünf Jahre erfolgte Reformen des Bildungssystems anzuprangern und Begründungen vorzubereiten oder anzubieten, warum das Rad der Zeit zurückzudrehen sei. Die CDU zeigt hiermit keinerlei Lösungen für ein modernes Bildungssystem auf. Sie macht vielmehr deutlich, dass sie zurück will in das überholte System der vorvergangenen Zeit.
Die nach kurzer Zeit schon so erfolgreichen Gemeinschaftsschulen, die bereits nach wenigen Jahren auf Augenhöhe mit den anderen Schulformen agieren und hohe Zustimmung erfahren, sind bei der CDU nicht vorgesehen und sollen augenscheinlich grundsätzlich abgeschafft werden. Abgeschafft, indem einige wesentliche und generell für erfolgreiche Schulen notwendige Kennzeichen der neuen Schulform wieder entzogen werden, bis sie dann keine Gemeinschaftsschulen im eigentlichen Sinne mehr sind.

Das Elternnetzwerk in unserem Verein für Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg und wir insgesamt als Interessenvertretung der Gemeinschaftsschulen lassen uns dies nicht gefallen und reagieren zunächst mit nachfolgendem Schreiben. Wir werden dieses über unsere Netzwerke breit in Baden-Württemberg verteilen und stellen den Text Ihnen zur journalistischen Verwertung zur Verfügung.

Gerne können Sie mit uns Kontakt aufnehmen. Weiterhin kann ich Ihnen auch Ansprechpartner im Elternnetzwerk nennen, wenn hier Interesse und Bedarf besteht.

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Wagner-Uhl

Das Elternnetzwerk des oben genannten Vereins hat außerdem eine Online-Petition erstellt, in dem es um Unterstützung gegen die geplante Bildungsreform der CDU und dem Erhalt der Gemeinschaftsschule geht. Bei Interesse kann sie hier eingesehen und gegebenenfalls unterschrieben werden. (12.875 Unterschriften, Stand 06.03.2016)

Richtig interessant wird es wohl, wenn eine schwarz-grüne Regierung gewählt werden würde, was momentan als recht wahrscheinlich angesehen werden kann. Spannend wird dann, wer sich mit seiner Bildungspolitik durchsetzen wird.

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